der hahn und das hackebeil

(Gastbeitrag von Christoph Sandmann)

Unser lieber Hahn genannt D’Artagnan war ein stolzer Sussex-Hahn der auch redlich seine Hennen beglückte. Fünf muntere Küken hatte er gezeugt und eines davon ….der Louis… sieht aus wie er. Weiße Federn, schwarz gezeichneter Hals. Weiß-Schwarz Columbia so nennt man das in der Hühnerfachsprache.

D'Artagnan
Dart’l beim Fußbad

Doch nun zurück zu D’Artagnan der leider immer etwas kränkelte. Erst war es der böse Hühnerschnupfen und dann ein Fußballenabszess welches ihn schwer plagte. Dennoch täglich um vier Uhr morgens begrüßte er den neuen Tag und unsere  Anwohner mit einem kräftigen Kikeriki und auch sonst ließ er gerne seine Stimme laut erschallen. Die schneeweiße Resi ein prächtiges französisches Bressehuhn….ja die hatte es ihm angetan. Sie durfte nachts auf der Stange stets an seiner Seite sitzen. Völlig zerzaust und ein wenig gerupft sah Sie bald aus…..er liebte Sie tagaus tagein. Eine  Zeit lang konnten wir das Ballenabszess mit täglichen Umschlägen und Tinkturen gut behandeln. Doch ihn täglich einzufangen, das fand er gar nicht lustig und als er dann nur noch durch den Garten humpelte und ihm das sitzen auf der Stange schwer fiel, musste etwas geschehen. Und wie das so ist mit dem Hühnerhalten, ja da muss man auch mal die Konsequenzen ziehen und sich von einem Tierchen trennen. Für mich als Hühner-Neuling eine ganz neue Erfahrung
….wie heißt das furchtbare Wort …. Schlachten…….Schrecklich. Ich mag es nicht.
Also habe ich mich nicht vorgedrängt.
Meine sehr patente Frau, Heilpraktikerin, der Natur und den Tieren sehr verbunden. Ohne Skrupel beim Umgang mit Blut. Berufsbedingt!
Ja…. Sie wollte das übernehmen, auch der Erfahrung wegen. Wer Fleisch isst sollte auch schon mal ein Tier geschlachtet haben. So war ihre These.
Nun Gut …..kurz beim Bauern neben an noch ein paar Tipps zum Schlachten eingeholt. Der meinte ganz trocken : „….ja …den fahrscht ins Hojz, hauscht earm zerscht oarne auf’n Kopf und dann Kopf ab. Der Fuchs werd earm dann scho hoj’n. Essen muscht earm ned mi’m Eiter am Hax’n.“ (Das „Lech-Roanisch“ wiederzugeben ist gar nicht so einfach)
Also der Hahn wurde gefangen, rein in den Pappkarton und ins Auto eingeladen. Aus dem Keller das Hackebeil und eine Stange sowie ein Tuch …..fertig… und los gefahren. Der Wald war gleich ums Eck.
Meiner Anmerkung zu einer Stress freieren Hausschlachtung in gewohnter Umgebung wurde leider keinerlei Aufmerksamkeit geschenkt. Als schon nach etwa 20 Minuten das Auto in die Einfahrt fuhr war ich doch sehr neugierig wie den die Schlachtung unseres Hahnes  D’Artagnan (auf bayr. Dart’l) gelaufen ist und ob er in den ewigen Jagdgründen des Waldes angekommen war?
Entgegen meiner Erwartungen sah ich meine Frau mit etwas feuchten Augen sichtlich berührt .
Und? …..war meine Frage…. ist er tot? Kopf ab?
Nein! Nein? Nicht tot, sagte sie mit zaghafter Stimme.
Was? nicht tot.…..? Was ist passiert? Was ist geschehen?
„Ohje….Er sitzt im Wald und lebt. Ich habe ihm dreimal mit der Eisenstange auf den Kopf geschlagen um ihn zu betäuben aber er ist nicht umgefallen ….. das hat mich so erschreckt, ich habe ihn los gelassen und nun ist er im Wald.“
Na Toll….. jetzt sitzt der arme Dart’l mit kaputtem Fuß und einem Schädel-Hirn-Trauma alleine im Wald. Alles sollte doch möglichst einfach und human sein, so war es geplant. Also nichts wie rein ins Auto und zurück in den Wald. Glücklicherweise konnten wir ihn auch gleich finden. Er humpelte durch den Wald und ich hatte gar kein gutes Gefühl ihn so zu sehen. Der arme Dart’l. Nun wollten wir ihn doch endlich von seinem Schicksal erlösen. Erstmal einfangen. Zu Zweit hatten wir ihn nach kurzem Widerstand gleich gefasst, obwohl er noch jede Menge Lebensgeister hatte und sich in seiner Not unter dem Gestrüpp verstecken wollte. Gepackt und in ein Tuch gewickelt, mit dem Kopf auf einen Baumstumpf gelegt, das ging in Sekunden und …..zack mit dem Beil …ein Schlag…. der Kopf war ab. Der Kopf vor mir am Boden schnappte noch nach Luft und  der Rest, der flatterte noch zwei Meter hoch durch das Gebüsch. Das rote Blut trat aus dem Hals. Schrecklich …wirklich ganz schrecklich …..aber es war Gott sei Dank vorbei.
Ich konnte danach schlecht schlafen! Das ganze hat mich mehr berührt als ich dachte. Wenn du ein Tier in seinem Leben begleitet hast, in seiner Eigenart und seinem Charakter kennen gelernt hast, dann fühlt sich das nicht gut an. Ja es ist nur ein Hahn oder ein Huhn, dennoch ein Individuum mit Persönlichkeit und einem eigenen Lebensgeist.
Dennoch hatte unser Hahn Dart’l ein weitaus besseres Leben, als ein Küken das gleich nach der Geburt geschreddert wird oder ein Masthähnchen, dass mal so eben nach sechs Wochen Lebenszeit ohne jeglichen Respekt und Würde am Lebewesen auf dem Fast-Food-Grill landet..
Dart’l hatte immer hin fünf Frauen und seine schneeweiße Französin als Allerliebste, die übrigens nach seiner Abwesenheit in tiefe Trauer fiel und bis heute kein einziges Ei mehr legte. Kaum zu glauben ..
Der Appetit auf Hühnerfleisch ist mir erst mal vergangen.
In Gedenken an  D’Artagnan unseren Sussexhahn.
Der Hahn ist tot, es lebe der Hahn.

Ein Feedback für “der hahn und das hackebeil

  • 6. Dezember 2017 at 18:08
    Permalink

    Ja.
    Kann ich mir lebhaft vorstellen
    Dass das nicht so einfach ist.

    Freue mich auf neue Beiträge

    Schöne Weihnachtszeit
    Liebe Grüße Sylvia

    Reply

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