„was stirbt in dir, wenn du ewig lebst?“

Diesen Romantitel habe ich an einer Bushaltestelle in München entdeckt. Und ehrlich gesagt hat er mich fasziniert. Es ist in meinen Augen eine überaus aktuelle, wichtige und interessante Frage. Vielleicht auch zu gut, um sie mit einer Antwort zu verderben.

In Zeiten von Silicon-Valley und der Hybris lebensverlängernder Maßnahmen; in Zeiten, in denen Leben und Technik anfangen, sich auf bisher unvorstellbare Weise zu vermischen; in Zeiten, in denen der Begriff des „Anti-aging“ schon so alt ist, dass er in „Well-aging“ umgetauft werden musste und Mittfünfziger als „Best-agern“ zählen. Also in Zeiten, in denen der ewige Wunsch nach unendlicher Lebenszeit seinen Ausdruck in nie da gewesenen materiellen Maßnahmen findet, ist diese Frage durchaus brisant.

Ja, ich bin de facto in dieser Branche tätig. Ich versuche auf ethische, grüne und gesunde Art und Weise bei meinen Kunden (www.fresh4u.eu) und Patienten (www.pythorea.com) die Erscheinungen und Wehwehchen des Älterwerdens gering zu halten. Wenn ich mich allerdings in der Medienbranche umsehe, dann bekomme ich das Gefühl, dass die Menschen – inzwischen tatsächlich auch Männer – zu viel extremeren Dingen bereit sind. Mir kommt es vor, als bekäme eine Schönheitsoperation die Bedeutung von einem Friseurbesuch. Aus meinen Erkenntnissen in der Naturheilkunde weiß ich, dass aber jede Narbe und Vollnarkose eine extreme Störung in der Gesundheit verursachen kann. Aus der schulmedizinischen Sicht weiß ich von einem „alten Hasen“ der Schönheitschirurgie, der tatsächlich sehr ethische Grundsätzen vertreten hat, dass eine Schönheitsoperation beim ersten Mal perfekt sitzen muss, weil jeder weitere Eingriff die Mikrozirkulation zu stark beeinträchtigt. Nimmt man das alles in Kauf, um möglichst alterslos ewig zu leben?

Was bringt die Leute dazu, sich der vermeintlichen, zeitlosen Perfektion zu verschreiben? Sind es die Medien, die uns eine Lebensart mit gewissen (teilweise seltsamen) Werten vorgaukeln? Ist es der immerwährende Wunsch, so etwas wie „Gott gleich“ zu werden, wie auch immer dieses vom Einzelnen interpretiert wird? Oder ist es das völlige Fehlen von Gott in großen Teilen der postindustriellen, jedoch mehr denn je materialistischen Gesellschaft?

Mag sein, dass es auch einfach nur der kompletten Naivität und dem Gefühl „dabei zu sein“ entspringt. Ich weiß es nicht. Aber die Frage ist echt gut.

Herzlichst, eure Pythorea

 

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